CHRISTIAN GODE
SCHATTENWANDERUNG
KW/RANDLAGE


Von Volker Schwennen

In dem fast quadratischen Art/Space der Galerie KW/Randlage befindet sich eine eingebaute Schrankwand, welche sich vom Boden bis zur Decke erstreckt und aus gleichmäßig angeordneten acht schmalen längeren, darüber weiteren acht kürzeren Türen besteht. Alle Schrankflächen sind mit schwarzem Lack behandelt und dienen so als Wandtafel, welche bereits für einige Ausstellungen als solche genutzt wurde. Für den Bochumer Künstler Christian Gode wird die Tafel, an deren rechter Seite sich der Eingang zum Raum befindet, zum Ausgangspunkt seiner Arbeit „Schattenwanderung“. Gode konzentriert sich auf die vorgefundenen Flächen von zweimal acht Feldern, einem Feld über dem Eingang sowie einer Aussparung, dem Eingang selbst.

Von unten links nach oben rechts zieht er nun eine Diagonale über die gesamte Wandfläche, sodass sich neue Flächen ergeben. Die erste untere Fläche links (ein Dreieck) bemalt er mit weißer Kreide, die darüberliegende Fläche bleibt schwarz, die nächste wird wieder weiß. Ebenso konsequent verfährt Gode mit den danebenliegenden Flächen, wobei die Farben ein Wechselspiel aus Schwarz und Weiß bilden.

Die schwarzen Felder der nun entstandenen Setzung aus unterschiedlichen geometrischen Figuren überträgt er mit tiefschwarzer Farbe auf die sich im Uhrzeigersinn befindliche nächste Wand. An dieser ist an der unteren linken Seite eine Steckdose auf einer schwarzen Fläche befestigt, die sich bei der Übertragung auf die nächste Wand wiederfindet, eine weitere zentrale Steckdose fast unter der Decke auf einer weißen Fläche aber bleibt dann unsichtbar, verschwindet also im Fortgang. Die dritte Wand hat eine Terrassentür und ein Fenster, sodass einige Bereiche der zu übertragenen Flächen nur noch teilweise in der eigenen Imagination vorhanden, aber eben nicht mehr sichtbar sind. Erneut werden die manifesten Figuren auf die vierte Wand übertragen, wo nur noch rudimentäre Elemente zu sehen sind und die ursprüngliche Diagonale jetzt schwerer angenommen werden kann.

Bereits bei dem vorangegangenen kooperativen Ausstellungsprojekt im Kunstraum Erlkönig in Bremen arbeitete Gode mit Diagonalen im Raum, welche sich hier jeweils von einer unteren zur oberen Ecke der Wände, Erker und Mauervorsprünge ziehen, somit Dreiecke bilden, deren Formen und Kontraste ständig neu dekliniert wurden. Dort arbeitete er mit schwarzer Tapete.

Die Kooperation stellt für Gode auch einen weiteren zeitlichen und räumlichen Aspekt dar, denn Ende November 2021 wurde „Schattenwander“ eröffnet, zwei Monate später „Schattenwanderung“ im KW/Randlage; die Orte liegen knapp 40 Kilometer voneinander entfernt. Beide Arbeiten wurden im Vorfeld am Rechner erarbeitet. Als Vorlage dienten ihm Raumbilder und Maße. Räume werden bei Christian Gode stets einer Metamorphose unterworfen, welche sich an den jeweiligen Architekturen orientiert. Sein reduziertes Repertoire besteht assoziativ aus Linien und geometrischen Formen, materiell aus schwarzer Tapete bzw. schwarzer Farbe und weißer Kreide. Die jeweilige Setzung findet nicht spontan aus dem Gefühl heraus statt, sondern aus dem subjektiven Empfinden des vorgefundenen Zeigeortes; die Narration der Arbeit leitet sich alleine aus der Raumerfahrung ab. 


Christian Gode
Schattenwanderung
Raumintervention Teil 2
29.01. - 27.02.22 
Galerie KW/Randlage

Fotos: Anja Engelke (c) Erlkönig/KW/Randlage


CHRISTIAN GODE
SCHATTENWANDER
ERLKÖNIG, BREMEN


Toyota vertreibt vornehmlich in Japan einen Minivan, der unter Namen Raum firmiert. Nunmehr seit 1997. Der Name des Wagens ist der Legende nach, dem deutschen entlehnt und soll sicherlich auf die Größe des Innenraums verweisen. Zumindest suggeriert der Name des Autos, das man im Inneren des Wagens kilometerweit gucken könne, bis die Unterkante der Windschutzscheibe den Horizont andeutet. Die besondere Beschaffenheit der Türen soll diese Weite unterstützen. Klapptüren im vorderen Bereich, keine B-Säule und hinten raumsparende Schiebetüren.

Die Wichtigkeit der Wirkung des Innenraums vom Raum fußt auf den Umstand, dass der Wagen von au en klein wirkt, weil er klein ist. Der ERLKÖNIG Raum in der Ellhornstraße wirkt von außen wie eine Wohnung, weil in den oberen Stockwerken des Hauses private Wohnräume mehrerer Familien, Wohn- und Lebensgemeinschaften verortet sind und auch der ERLKÖNIG. Christian Gode, der aus Bochum kommt und hier seine Arbeit Schattenwander zeigt, unterhält in Bochum zusammen mit Uwe Siemens den Kunstausstellungsraum Ad/Hoc. Der sieht von außen aus wie eine Autogarage und innen nicht.

Christian Gode macht Ausstellungen und er macht Arbeiten, die grundsätzlich vom Zeigeort her gedacht sind. Mit geometrischen Formen und Materialien wie Klebefolien, Farbe, Sperrholz, Mdf, Tapete, Leuchtstoffröhren, Teppich und Jalousien probiert er Anordnungen, Kompositionen, Setzungen, Situationen und Gesten. Das Dreieck und der Kontrast werden fortwährend konjugiert und dekliniert; gleichzeitig.

Gode lotet Zeigesitutaionen aus und komponiert, markiert, schafft und beschreibt die Räume, die dann gezeigt werden. Hier im ERLKÖNIG arbeitet er mit schwarzer Tapete an jeder Wand des Raumes eine Diagonale heraus. Oder zwei Dreiecke, wobei das eine nur durch das andere sichtbar ist. Das Prinzip ist schnell erklärt. Die Wirkung nicht. Im Grunde erörtert er die Herausforderungen der Bild Grund Frage und tariert ein gleichrangiges Verhältnis aus Bild und Grund.

Die Ausstellung Schattenwander/Schattenwanderung ist in Kooperation mit KW/Randlage, einem 40 Kilometer entfernten Ausstellungsort in Worpswede entstanden. So ist es, dass der Raum von Christian physisch erweitert wird; Um den zweiten Raum dort. Dieser ist dann Ende Januar erfahrbar. Die Arbeit ist schon jetzt fertig gedacht. Umgesetzt ist erst die Hälfte.

Text: Erlkönig/Pio Rahner

Christian Gode
Schattenwander
Raumintervention Teil 1
27.11.21 - 27.02.22
Erlkönig, Bremen

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