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LEBE DEIN AENDERN

RANDLAGE ARTFESTIVAL
21.09. - 20.10.2019

TEILNEHMER*INNEN

Michael Weisser

Michael Weisser vernetzt Bilder, Klänge und Worte im Grenzbereich von analoger Realität und digitaler Virtualität zu neuen Erlebnissen und Erkenntnissen. Seine Arbeit sieht er als stetes Experiment.

Seine Methode ist die "Ästhetische Feldforschung", mit der er weltweit und hautnah nach dem Fremden sucht, um es mit dem Vertrauten in Spannung zu bringen.

Sein Engagement sucht die "Kreative Intervention", über die er verbessernd gestaltend in die Realität eingreifen kann.

Weisser lebt sein Ändern. Er macht dies analytisch-bewusst und emotional-assoziativ. Seine Publikationen „all:about:sehnsucht“ und „all:about:neugier“ sind von Projekten mit dem ZKM/Karlsruhe und dem Staatsarchiv/Bremen geprägt. Darin widmet er sich dem Thema „Heimat“ ebenso wie der „Science-Fiction“, und liebt die Fragen, die er stellt, ebenso wie die Fragen, die er beantwortet - denn die Frage ist für ihn der Schlüssel zur Welt.

i:Code


Weissers ausgestelltes Werk „i:Code“ zeigt im Vordergrund eine bildnerische Anmutung, die den Betrachter einlädt, den Code zu entschlüsseln und damit ihren Hintergrund eröffnet: Leben ist Bewegung! In seinem Impuls-Referat „LEBE DEIN ÄNDERN!“ geht Weisser der Frage nach: Was verbindet Heimatforschung mit Science-Fiction?


Michael Weisser (* 18. Oktober 1948 in Deichsende, jetzt Wurster Nordseeküste) ist deutscher Medienkünstler, Musikproduzent und Science-Fiction-Autor.

Leben

Weisser studierte nach dem Praktikum in einem chemischen Forschungslabor in Bonn von 1967 bis 1972 an den Werkkunstschulen in Köln die Fächer sakrale Malerei, experimentelle Malerei, freie Grafik und Fotografie. In Seminaren bei Niklas Luhmann, Alphons Silbermann, Alfred Schmidt und Bazon Brock belegte er die Schwerpunkte Ästhetische Theorie sowie Kunst, Kybernetik und Systemtheorie. Er schloss das Studium mit dem Examen als Grad. Des. ab.

Anschließend studierte er Kunstgeschichte, Kommunikationswissenschaften, Politologie, Soziologie und Pädagogik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und an der Philipps-Universität in Marburg. Für das Archiv Foto-Marburg schuf er im Auftrag von Martin Warnke und Volker Klotz die ersten Bild-Archive zur Industriearchitektur und zum Arbeiterwohnungsbau. Zum Thema "Bonner Feinkeramik" schrieb er an seiner Dissertation, die in Form von drei Werkkatalogen zur gleichnamigen Ausstellung im Freilichtmuseum Kommern erschien.

Nach dem Studium veröffentlichte Weisser in freier Forschung zahlreiche Publikationen zu den Themen Ästhetik der Alltagswelt, Industriearchitektur, die Verdrängung des Ornaments und Deutsche Reklame.

Im Jahr 1982 erschien als Kontrast zu Historienforschung sein erster Science-Fiction-Roman "Syn-Code-7" in der Phantastischen Bibliothek bei Suhrkamp. Die literarische Beschreibung von künstlerischen Kuppelprojektionen in diesem Roman führte zu einem Kontakt mit dem Musiker Peter Mergener. Ab 1984 veröffentlichte das Duo Mergener/Weisser unter dem Bandnamen "SOFTWARE" die erste LP-Produktion "Chip-Meditation".

Zur Entwicklung von Musikkonzepten und zum Aufbau eines Schall- und Bildarchivs für das World-Music-Projekt G.E.N.E. führte Weisser eine Vielzahl von Studienreisen durch und zeichnete dabei digital mehr als 1000 "Sounds-of-Planet-Earth" als O-Töne auf.

1985 übernahm Weisser die Funktion des Creative Directors beim Musiklabel Innovative Communication (IC), entwickelte in Zusammenarbeit mit seinem Partner Mark Sakautzky Produkt-Designs und strategische Allianzen mit Markenfirmen, um neue Vertriebswege für die Musik des Labels zu erschließen. 1990 wurde die Millionen-Umsatzgrenze überschritten und Sakautzky/Weisser gründeten die IC/DigItMusic GmbH.

1994 verkaufte Sakautzky seine Anteile an die Pallas Group, und Weisser leitete IC acht Jahre lang weiter, bis auch er 2002 seine Anteile an die Pallas verkaufte und sich wieder der Kunst mit dem Schwerpunkt auf neuen, digitalen Medien zuwandte.

Seit 1986 führte Weisser eine Reihe von Multimedia-Konzepten, -Präsentationen und -Projekten durch. Er war 1989 Gründer und Organisator des Festivals "Bremer Tage der Computerkultur".

Im Sommer 2008 übernahm das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) sein komplettes künstlerisches Werk. 2011 erschien dazu der Werkkatalog "all:about:sehnsucht" im Deutschen Kunstverlag Berlin/München.

2014 entwickelte Weisser mit seinem QR-Coding (ab 2007) ein erstes Hybrid-Medium, das Die|QR|Edition als Imprint des Verlages p.machinery in Murnau am Staffelsee realisiert. Diese Idee des Medienmixes von Bild, Klang und Wort setzt die Idee vom Kassetten-Buch "Dea-Alba – Eine phantastisch klingende Geschichte mit Musik-MC von Software" von 1988 um, bei dem Weisser eine Kooperation mit dem Physiker und SF-Literaten Herbert W. Franke einging. Das Buch wurde von beiden auf einem DEC-Computer (Rainbow) geschrieben, die Disketten wurden zwischen Bremen und München ausgetauscht um eine völlige Verschmelzung der Textanteile zu erzielen.

Im Sommer 2016 übernahm das Staatsarchiv Bremen das komplette Schrifttum des Autors Weisser. Zu diesem umfangreichen Fundus aller Manuskripte, Skizzen und Bücher entstand ein Findbuch, ein Findmittel zum Findbuch sowie eine Publikation im Interviewform.

Ab 2017 entwickelte Weisser eine digitale Form von Werkinventar. Unter der URL www.rice.de erfasst dieses Web-Inventar alle künstlerischen Werke (Bilder, Klänge, Texte), und vernetzt diese in einer dualen Struktur logisch-linear sowie einer emotional-assoziativ. Dieses Werk beschreibt Weisser als "amorphe Gestalt" in einem Wachstumsprozess und schreibt dieser digitalen, intermedialen Vernetzung die Spezifik eines Kunstwerks als Fluss der Elektronen zu.

Heute arbeitet Weisser als Medienkünstler mit den Schwerpunkten Rauschen, Kompressionen, Feldforschung und i:Coding in Bremen.

Kulturpolitik - Bürgerinitiativen

1970 war Weisser Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Planungsgruppe Kulturpolitik" und des "Arbeitskreises Stadtentwicklung", sowie Gründungsmitglied der "Gesellschaft für Kunstkonsum und Produktion" in Bonn.

Von 1972 bis 1974 war er Vorsitzender sowie Landes- und Bundesdelegierter des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) in Köln und Bonn, sowie von 1973 bis 1975 Chefredakteur des kunst- und kulturpolitischen Magazins (BBK).

Im Frühjahr 2008 entwickelte er das Konzept für eine neue Nutzung des Anti-Kolonial-Denk-Mals in Bremen und war Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins "DerElefant!".

Lehraufträge

Weisser hatte eine Reihe von Lehraufträgen inne: an der Volkshochschule Bonn (1971–1976), am Kinderforum in Bonn (1974), an der Universität Bremen für Kunst am Bau (1975/76), an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, an der Universität Bremen und an der Hochschule für Künste Bremen (1975–1982) sowie eine Gastprofessur für Experimentelle Fotografie und Computerkunst an der Hochschule für Künste Bremen (1988).

Seminar "Vielfalt" an der Hochschule Bremen, 2009/10. Seminar "Kunstmanagement" im Fachbereich Kunst an der Universität Erfurt (2014)

Sachbücher - Ästhetik der Alltagswelt

    Im Stil der Jugend – Die Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben und ihr Einfluss auf die Stilkunst der Jahrhundertwende in "Reihe Ästhetik der Alltagswelt", Fricke, Frankfurt a. M. 1979, ISBN 978-3-88184-025-5

    Ornament und Illustration um 1900 – Handbuch für Bild- und Textdokumente bekannter und unbekannter Künstler aus der Zeit des Jugendstils in "Reihe Ästhetik der Alltagswelt", Fricke, Frankfurt a.M. 1982, ISBN 978-3-88184-033-0

    Jugendstilfliesen – Die künstlerisch gestaltete Wandfliese als Gebrauchsgegenstand und Ornamenttäger, in "Reihe Ästhetik der Alltagswelt", Fricke, Frankfurt a. M. 1983, ISBN 978-3-88184-046-0

    Annoncen aus der Jahrhundertwende – Die Kunst der Anzeigenwerbung. Beispiele aus der Wochenschrift „Jugend“ (1896–1926). Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 1981, ISBN 3-87706-184-2

    Deutsche Reclame – 100 Jahre Werbung 1870–1970. Doell, Bassum 2002, ISBN 978-3-88808-273-3

    Wirksam wirbt das Weib – Die Frau in der Reclame. Doell, Bassum 2002, ISBN 978-3-88808-275-7

    Cigaretten-Reclame – Über die Kunst, blauen Dunst zu verkaufen. Doell, Bassum 2002, ISBN 978-3-88808-274-0

Romane

    Ab 1982: Poesie für das Musikprojekt Software, als LPs, MCs und CDs, erschienen auf dem Label IC- Innovative Communication (IC/DigItMusic im Vertrieb von DA-Music) Hamburg/Bremen/Diepholz.

    Syn-Code-7. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1982, ISBN 978-3-518-37264-7

    DigIt. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1990, ISBN 978-3-518-37373-6

    Off-Shore. Corian, Meitingen 1984, ISBN 978-3-89048-109-8

Roman in Kooperation

    Herbert W. Franke, Michael Weisser: Dea Alba - Eine phantastisch klingende Geschichte zu Computermusik und Poesie von SOFTWARE (mit beiliegender MC). Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1998, ISBN 978-3-518-38009-3.

Als überarbeitete Neuauflage ist dieses Werk unter Nutzung von QR-Codes erschienen als Hommage zum 90. Geburtstag von Herbert W. Franke bei Die|QR|Edition – Edit 06, Murnau, Mai 2017. ISBN 978-3-95765-074-0.

Poesie

    Im Tanz der Neuronen. Visionäre Texte und kosmische Klänge, (QR-Coding) Die|QR|edition @ p.machinery, Murnau am Staffelsee 2014. ISBN 978-3-942533-98-0

    BE INSPIRED AND FREE YOUR VISIONS! The i:Code-Alsion-Campus-Art-Project in Sønderborg, created by Michael Weisser. Mit Horst-Günter Rubahn. Die|QR|Edition @ p.machinery, Murnau am Staffelsee & Alsion-Campus, Sønderborg, August 2014, ISBN 978-3-95765-003-0

    Im Sog des Strudels der Worte. Visuelle und akustische Poesie, (QR-Coding). Die|QR|edition @ p.machinery, Murnau am Staffelsee 2014, ISBN 978-3-95765-012-2

Ausstellungskataloge

Diverse Ausstellungskataloge wurden von Weisser in Text und Bild gestaltet u. a.

Computerkultur – The beauty of bit and byte. Publikation zum Festival "Bremer Tage der Computerkultur". TMS, Bremen 1989.

Der Elefant! Bilder, Gedichte, Dokumente. Zum Anti-Kolonialdenkmal in Bremen. Mit Rudolph Bauer und Inge Buck. Sujet-Verlag Bremen 2010, ISBN 978-3-933995-49-0.

SNACK-together! The global taste of diversity. Katalog zum Seminar an der Hochschule Bremen, 2009/10, sujet-verlag Bremen 2010, ISBN 978-3-933995-58-2.

Der.Die.Das. – Der Weg. Die Sicht. Das Sehnen. Über die Schönheit von Reise und Abenteuer, Katalog zur Ausstellung im Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Stiftung Kreissparkasse, Syke 2013, ISBN 978-3-9815235-2-2.

Musik – Elektronik, Worldmusic, Klangarchiv

    1982: „Galaxy Cygnus-A“, Live-Event, Auftragsarbeit für den ORF im Rahmen der ars electronica, Linz/Österreich.

    1984–2000: SOFTWARE, elektronische Klanglandschaften, 19 CD-Produktionen auf IC

    1988: „Digital Dance“ Konzert in der Aula der Musik-Hochschule in Köln, Live-Übertragung „Nachtmusik“ im WDR 1.

    1988: „Syn-Phonie für Computermusik und Sternenlicht“, programmierte Multivision in der Kuppel im Planetarium Bochum.

    1988: „Electronic Universe“ Live-Konzert in der alten Eisengießerei in Hamburg.

    1989: „Syn-Code“ Planetariums-Projektion im AllSky-Planetarium Stuttgart.

    1986–2000: „G.E.N.E.“, Gambling Electronic Natural Environment, 20 CDs auf IC/DigItMusic.

    1986–2000: Klangarchiv 120 Stunden auf DAT "Sounds auf Planet Earth" mit >1000 Originalklängen weltweit.

    1997–1998: „Sounds of Planet Earth“ akustische Strukturen (Afrika, Seychellen, Osterinsel, Polynesien), erste Ambient-Sound-CDs auf IC/DigItMusic.